Mehr als 100 Jahre im Dienst der Mitmenschen


Der letzte Vorstand des Frauenvereins: (v. l.) Kassier Beat Caprez, Louise Bamert (PR/Website), Katharina Wanner (Mitgliederwesen), Käthi Gsteiger (Brockenstube), Susanne Jacobs (Präsidentin) und Madeleine Rubin (Sekretariat). Nicht im Bild: Brigitte Graber (Foto Guido Lauper)

Bericht im Berner Oberländer vom 27. April 2018

SPIEZ Am 17. Januar 1909 hatten 80 Frauen im Moosschulhaus den Gemeinnützigen Frauenverein gegründet. Am Mittwoch, 25. April 2018, lösten ihn 40 Frauen nur einen Steinwurf vom Gründungsort entfernt wieder auf. Die Geschichte wird in einer Broschüre überleben. 

 

«Es ist schon ein bisschen ein komisches Gefühl», sagte Präsidentin Susanne Jacobs an der 109. und letzten Hauptversammlung des Frauenvereins im Solina, «aber da müssen wir einfach durch.» Nach umfangreichen Vorarbeiten führten die Stimmberechtigten am 25. April 2018 um 19.43 Uhr mit Handzeichen den Auftrag aus, den sie sich vor einem Jahr selber gegeben hatten. 

Weil, wie unter anderem vielerorts der Nachwuchs fehlte, das Geld für gemeinnützige Aufgaben ausblieb und diese anderweitig übernommen wurden. 

Die vereinseigene Liegenschaft, Asylstrasse 10, die weiterhin vermietet wird, war bereits früher an die Gemeinde überschrieben worden (wir haben berichtet). Ebenso das restliche Vereinsvermögen von 182 000 Franken. Der entsprechende Fonds darf laut Gemeinderätin Anna Fink (EVP) «ausschliesslich für gemeinnützige und soziale Zwecke verwendet werden». 

 

Mut zur Selbstbestimmung 

Wie mutig 80 von 100 an der Gründungsversammlung anwesenden Frauen am 17. Januar 1909 gehandelt hatten, erzählte Gemeindepräsidentin Jolanda Brunner (SVP) mit Auszügen aus dem damaligen Protokoll. Dem Zweck entsprechend wollten sie selbstbestimmend agieren und leben, obwohl sie damals nicht einmal rechtsverbindliche Verträge abschliessend durften. «Die Erbschaft dieser Gründerinnen wurde mit Würde getragen und setzte manchen Grundstein, der bis heute wirkt», sagte Jolanda Brunner im Dank an die bis heute aktiven Frauen. Dafür erhalte jedes Mitglied dereinst eine Einladung zur Vernissage zum geplanten Buch und ein Exemplar davon. «Das Archiv des Frauenvereins übernimmt die Gosteli-Stiftung, das Archiv zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung», versprach die Gemeindepräsidentin. 

Das geplante Buch stellten Christine Flück und Monika Lanz vor. Erstere wartete mit Anekdoten aus den Protokollen auf. So war bereits 1919 das Frauenstimmrecht ein Thema gewesen. 1939 sollten die Kirchgemeinden dazu angehalten werden, Jugendlichen den abendlichen Ausgang zu verbieten. Monika Lanz erinnerte daran, dass sie schon zum 100. Geburtstag des Vereins eine Publikation ins Auge gefasst habe. Nun wolle sie den Verein eben nicht sang- und klanglos untergehen lassen. Alte Bilder und Berichte dazu nehmen die Frauen weiterhin gerne entgegen. 

Guido Lauper

 Kontakt Frauenverein